Die radikale Entfernung der Prostata (sog. radikale Prostatektomie) kann heute sicher und schonend mit dem DaVinci-Robotersystem über kleine Schnitte durchgeführt werden. Die Operation wird in Vollnarkose durchgeführt. Eine Aufnahme ins Krankenhaus ist erst am Tag der Operation erforderlich. Der Ablauf der Operation an unserer Klinik wird hier kurz dargestellt. Sollten Sie Fragen zur Operation haben, sprechen Sie uns bitte an. Wir beraten Sie gern in einem persönlichen Gespräch.
Die Operation wird in um ca. 10 – 20° kopfwärts abgesenkter Rückenlage des Patienten durchgeführt. Die Arme liegen neben dem Körper. Der Zugang zum Bauchraum wird über einen ca. 1 cm großen Schnitt am Nabel hergestellt. Es wird über diesen Zugang zunächst ein mit Kohlendioxid angereichertes Gas in den Bauchraum eingebracht. Danach kann ein Röhrchen (sog. Trokar) über den Schnitt eingebracht werden. Über diesen Trokar wird die Kamera in den Bauchraum vorgeschoben und die Lage der inneren Organe begutachtet. Unter Sichtkontrolle können jetzt auf einer Linie vom Nabel zum Beckenkamm weitere Zugänge über 5 – 7 mm große Schnitte etabliert werden. Diese Zugänge werden ebenfalls mit Trokaren offen gehalten.
Der Patientenwagen des Roboters kann nun seitwärts dem Patienten genähert werden. An unserer Klinik bevorzugen wir das sogenannte Seiten-Docking, so dass die Beine nicht gespreizt werden müssen. Die Roboterarme werden dann mit den Trokaren verbunden. Danach können die OP-Instrumente in den Körper vorgeschoben werden. Der Operateur übernimmt nun an der Steuerkonsole des Roboters die Kontrolle über die Instrumente.
Das DaVinci-Robotersystem führt Operationsschritte weder selbstständig noch automatisch aus. Es überträgt lediglich die Finger-Hand-Bewegungen des Operateurs besonders präzise auf die Instrumente. Der Operateur hat damit die volle und uneingeschränkte Kontrolle über die Bewegungen der Instrumente.
Die eigentliche Operation beginnt nun mit dem Lösen der Harnblase von der vorderen Bauchwand. Dadurch wird der Raum hinter dem Schambein freigelegt und der Zugang zur Prostata ermöglicht. Durch Eröffnen der bindegewebigen Begrenzung des Beckenbodens werden die Seitenflächen der Prostata sichtbar. Hier können nun die Gefäß-Nerven-Bündel von der Prostatakapsel abgelöst werden. Dabei wird eine Schicht zwischen den bindegewebigen Hüllen der Prostata dargestellt. Danach werden die auf der Prostatavorderfläche verlaufenden Gefäßgeflechte dargestellt und unterbunden.
Im nächsten Schritt wird die Harnblase von der Prostatabasis getrennt. Dabei wird der Harnblasenhals (Einmündung der Harnblase in die Harnröhre) weitgehend erhalten. Nach Abtrennen der Harnblase werden die Samenblasen freigelegt und aus dem umgebenden Gewebe ausgelöst. Damit wird die Vorderfläche des Mastdarmes sichtbar. Der Mastdarm wird nun von der Rückfläche der Prostata abgeschoben. Seitlich ziehen jetzt noch Gefäße zur Prostata, die Schritt für Schritt unterbunden und durchtrennt werden. Bei Erhalt der Gefäß-Nerven-Bündel werden diese nun komplett von der Prostata abgeschoben. Durch die exzellente Sicht und Vergrößerung des OP-Feldes erleichtert der DaVinci-Roboter die Schonung wichtiger Gefäße und Nerven.
Mit der Durchtrennung der bereits unterbundenen Gefäße an der Prostatavorderfläche beginnt die Freilegung der Prostataspitze und der Harnröhre. Hier gelingt mit dem DaVinci-System eine besonders präzise Präparation. Die Harnröhre kann trichterförmig aus der Prostataspitze ausgelöst werden - so können für die Kontinenz wichtige Anteile der Harnröhre erhalten werden. Nach dem Durchtrennen der Harnröhre ist die Prostata vollständig freigelegt und kann in einem Bergebeutel bis zur Entfernung gelagert werden. Durch eine Schnellschnittuntersuchung kann in dieser Phase der Operation die Entfernung der Prostata im Gesunden überprüft werden.
Der Operateur prüft nun das Operationsfeld und stillt noch vorhandene Sickerblutungen durch feine Nähte. Außerdem können, falls notwendig, die lokalen Beckenlymphknoten entfernt werden. Abschließend wird die Harnblase wieder mit dem Harnröhrenrest verbunden. Das Robotersystem erlaubt dabei eine fortlaufende, besonders dichte Naht mit geringer Fadenstärke. Durch diese Nahttechnik kann der Dauerkatheter in unserer Klinik bereits ab dem 3. Tag nach der Operation entfernt werden. Die Dichtigkeit der Naht wird noch während der Operation geprüft. Danach kann das Robotersystem von den Zugängen getrennt und vom Patienten entfernt werden.
Die Prostata wird nun zusammen mit den Lymphknoten über den Nabelschnitt geborgen. Der Schnitt muss dabei je nach Prostatagröße auf ca. 3 cm erweitert werden. Nach einer sorgfältigen Kontrolle des Bauchraumes werden die Schnitte wieder verschlossen. Die Einlage einer Drainage ist nicht erforderlich. Die Nähte der Haut sind selbstauflösend und müssen deshalb später nicht aktiv entfernt werden. Nach dem Ausleiten der Narkose verbringt der Patient noch einige Zeit im Aufwachraum, bis eine Rückverlegung auf die Normalstation erfolgt.
Sollten Sie weitere Fragen zum Ablauf der Operation oder zu alternativen Therapieformen haben, sprechen Sie uns bitte direkt an. Sie erreichen uns telefonisch oder per E-Mail. Unsere Operateure beraten Sie gern in einem persönlichen Gespräch.